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03
SEP
2015

Brief unserer Bildungsministerin zum Schuljahresanfang

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Liebe Schulleiterinnen, liebe Schulleiter, liebe Lehrerinnen und Lehrer,liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,

ich hoffe, Sie und Ihre Familien hatten eine schöne und vor allem erholsame Ferienzeit.Sie haben ein anstrengendes und ereignisreiches Schuljahr hinter sich; ganz allgemein gilt im Schulbereich wie überall, dass die Herausforderungen wachsen. „Mein erstes Schuljahr“ habe ich als ein gutes Jahr empfunden. Bedanken möchte ich mich, dass ich – zum Beispiel bei meinen Schulbesuchen – immer mit offenen Armen empfangen wurde. Mehr als 40 Schulen aller Schularten habe ich bereits besucht. Für mich ist der unmittelbare Austausch vor Ort an den Schulen sehr wichtig, deswegen nehme ich mir dafür die Zeit. Ich weiß jetzt, dass Schleswig-Holsteins Schulen mit viel klugem Engagement vorangebracht werden.

Meine besonderen vier Schwerpunkte sind die stetige Verbesserung der Qualität der Schulen, Lernen in der digitalen Gesellschaft, Inklusion, der Bereich Berufliche Bildung bzw. der Übergang von der Schule in den Beruf. Ich werde auch den Dialog mit Ihnen, Ihren Teams, den Schülerinnen und Schülern und den Eltern fortsetzen: Bitte rechnen Sie an den Schulen weiter mit meinem Besuch, denn ich werde mich auch weiter vor Ort informieren, um zu hören, was gut ist und was vielleicht nicht so gut läuft. Kernfrage unserer Schulpolitik ist, wie wir die Unterrichtsqualität stetig weiterentwickeln und verbessern können. Dazu haben wir Standards der Kultusministernkonferenz (KMK) und unsere neuen kompetenzorientierten Fachanforderungen, die wir in Schleswig-Holstein schon erarbeitet haben. Darüber hinaus sind die Schulen gefragt, denn die Qualitätswicklung und -sicherung von Unterricht und Schule ist eine zentrale Aufgabe der Schulleitungen und der Lehrkräfte. Zudem wollen wir auch die Ergebnisse von Unterricht und Schule überprüfen. Dazu werden wir den Schulen noch im Februar 2016 ein Angebot zur externen Evaluierung auf freiwilliger Basis machen. Und was für die einzelne Schule gilt, ist natürlich auch für die Schullandschaft insgesamt richtig. Daher wird es ab 2016 alle zwei Jahre einen Bildungsbericht geben. In Zukunft sollen Jugendliche beim Übergang von der Schule in das Berufsleben noch besser unterstützt werden. Vor Ort kooperieren bereits viele zuständige Einrichtungen und Institutionen. Um die Zusammenarbeit noch besser und systematischer zu gestalten, werden auch in Schleswig-Holstein erste Jugendberufsagenturen gegründet. Sie beraten die Jugendlichen beim Erreichen eines Schulabschlusses, bei der Berufsorientierung und -wahl aus einer Hand, unterstützen sie bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle und beim Übergang in ein erstes Beschäftigungsverhältnis und beugen vor allem einem Abbruch von Schul- oder Ausbildungsgängen vor. Unser Ziel ist die Reduzierung der Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss – da gibt es in Schleswig-Holstein noch etwas zu tun. Das Bildungsministerium hat die Anschubfinanzierung von 200.000 Euro in die Hand genommen, um in Kreisen und kreisfreien Städten beim Aufbau von Jugendberufsagenturen zu unterstützen. Im September schon können wir die fünf Bewerbungsentscheidungen verkünden – darüber freue ich mich sehr. Die JBA ist die offene Tür in die Arbeitswelt, durch die wir die Jugendlichen gemeinsam hindurchführen. Ich freue mich auch, dass in diesem Schuljahr an den Grundschulen die schulischen Assistentinnen und Assistenten beginnen können: Das Inklusionskonzept aus 2014 wird Schritt für Schritt umgesetzt. Sicherlich 400 bis 500 Menschen verteilen sich auf die 314 Vollzeitstellen, für die das Land 13,2 Millionen Euro bereitgestellt hat. Das Wichtigste ist, dass die Grundschulen Unterstützung für die steigenden Herausforderungen der heterogenen Gruppen bekommen und immer stärkere multiprofessionelle Teams an den Schulen arbeiten.

Die Zahl 200.000 Euro steht auch über dem Wettbewerb des Ministeriums zum Thema „Lernen mit digitalen Medien“, bei dem zwölf Schulen für ihre nachhaltigen digitalen Konzepte ausgezeichnet wurden. Es werden darüber hinaus schulische Netzwerke entstehen, damit Schulen mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten. Wir müssen junge Menschen auf die Veränderungen in der zunehmend digitalen Gesellschaft vorbereiten. Im Guten wie – Stichwort Cybermobbing – im Schlechten.

Die Landesregierung verbessert die Unterrichtsversorgung stetig. Schon im Schuljahr 2014/15 wurden 228 neue Lehrkräftestellen geschaffen, in diesem Schuljahr folgen 440 weitere. Bis zum Jahr 2017 schaffen wir aus den BAföG-Millionen 728 Planstellen für Lehrerinnen und Lehrer, die im System bleiben. Diese kommen zu den 300 Stellen, für die zu Beginn der Wahlperiode die geplante Kürzung rückgängig gemacht wurde sowie 240 Stellen aus Bundesmitteln für Flüchtlinge.

Eine große Herausforderung, vor der die Schulen und wir als Land stehen, ist sicherlich die Beschulung der vielen Kinder und Jugendlichen, die als Flüchtlinge zu uns kommen. Unser Anspruch ist es, sie alle in den Schulen – sei es zunächst in den DaZ-Klassen oder später in den Regelklassen- willkommen zu heißen. Die Schulleitungen und die Lehrerinnen und Lehrer sind es, die diese Kinder und Jugendlichen nicht nur beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen, sondern ihnen auch Orientierung und Hilfe in einem neuen Alltag sind. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Mein Dank gilt auch den Schülerinnen und Schülern, die zahlreiche schulische Projekte gestartet haben, um diesen neuen Schülerinnen und Schüler bei ihrem Start in einem fremden Land zu helfen.

Schulpolitik möchte ich gemeinsam mit Ihnen gestalten, nicht allein an meinem Schreibtisch. Daher habe ich schon im ersten Amtsjahr so viele Schulbesuche wie möglich im ganzen Land gemacht und dabei viel erfahren und gelernt. Das wird so weitergehen, und hinzu kommen viele Veranstaltungen, Diskussionsrunden und Gespräche wie im vergangenen Schuljahr der Kongress „Lernen in der digitalen Gesellschaft“, Informationsveranstaltungen zu den Jugendberufsagenturen, eine Fachtagung zur beruflichen Bildung sowie Regionalgespräche zum Thema Inklusion. Der Bildungsdialog hat bei meiner Arbeit hohe Priorität. Für dieses neue Schuljahr wünsche ich Ihnen und uns allen, dass es ein gutes und erfolgreiches Jahr wird, in dem wir alle das Bestmögliche erreichen.

Mit freundlichen Grüßen

Britta Ernst  (Bildungsministerin SH)

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